Piratenpartei
Montag, August 16th, 2010
at 12:15am

Bestätigung der Mitgliedschaft + Satzung
Frontalopposition ist eine Einstellung, die besonders beim Wörtchen Afghanistan absolut gerechtfertigt ist – sie hat aber einen kleinen Haken. Der Haken besteht darin, dass man als “Nein”-Sager in manchen Kreisen einfach nicht stattfindet. Man wird nicht gehört/wahrgenommen/anerkannt, weil man zu einer Gruppe gehört, die per se nicht Diskursfähig sein will/soll/ist.
Ich gehörte zu der negierenden Mehrheit in unserem Land:
Genau ab meinem 18. Lebensjahr durfte ich mit zuschauen, wie nach und nach die westliche Welt in ihren “Clash of Civilizations” steuert. “Enduring Freedom” – die militärstrategische Vergeltung Antwort für 9/11 – begründete sich direkt in den Anschlägen, die offiziell den Status eines NATO-Bündnisfalls (Artikel 5 des Washingtoner Vertrags) erhielten.
1,5 Jahre danach, als junger Grundwehrdienstleistender bekam ich das erste mal die Gelegenheit, außenpolitisch bzgl. der NATO etwas in Frage zu stellen: bei der Begründung der USA zum gewollten Einmarsch in den Irak vor dem UN-Sicherheitsrat im Februar 2003. Nur das UN-Mandat und eine schwarz-gelbe Regierung hat uns Deutschen damals für den Irakeinsatz gefehlt – Merkel war damals schon für Krieg. Das war derart unter aller Sau Kanone. Die LKW-Story mit den Massenvernichtungswaffen konnte ich dann als knapp 20-jähriger Panzergrenadier schon nicht mehr für “voll” nehmen, aber die letzte Supermacht der Erde und ihre Allianz(en) taten es mit allen Folgen.
Also, seitdem ist auch Deutschland mit bald 50 toten Soldaten, ungezählten Kollateralschäden durch das NATO-Bündnis und die Legitimierung durch die Vereinten Nationen in einem Krieg involviert. Das Wort Krieg hieß 2001 auf der Petersburger Konferenz noch: Entwicklung geordneter und demokratischer Verhältnisse in Afghanistan.
Auf jeden Fall ist Deutschland im Rahmen des NATO-Bündnisses nun defacto Besatzer aktive Kriegspartei bis mindestens 2013 (Bundestagswahlen) und auch darüber hinaus Mitglied einer weltweit “aktiven” Militärgemeinschaft.
Wir haben nur mittlerweile das Setting, dass sollte Afghanistan eines Tages beendet sein, die NATO sich bereits an einer anderen Ecke im sogenannten Antiterrorkampf befindet und somit auch wiederum Deutschland. Wir sehen im Grunde die ersten Züge einer GDI gg. NOD (PC-Spielern ist das bekannt, alle anderen können das selbst ausprobieren).
Somit muss man sich im Gegensatz zu den Stillstands-Protesten z.B. der Linken und allgemein der Kriegsgegner (zu denen ich auch gehöre) endlich bewegen. Bewegung heißt in meinem Fall, dass ich wie bereits angekündigt nun der Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V beigetreten bin.
Die DAG hat unter anderem folgenden Zweck:

Die Deutsche Atlantische Gesellschaft
- fördert die Bestrebungen des Atlantischen Bündnisses (NATO) um Frieden, Sicherheit und Stabilität auf der Grundlage von Freiheit, Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit.
Die DAG, parteiübergreifend wie sie so ist, wird aktuell von einem CSU´ler (Christian Schmidt) als Präsident geleitet, vorher Polenz CDU. Und genau dort sollte Frontalopposition sich in Frontalaktion umdrehen!
Diese Grundsätze wie sie da oben stehen dürfen kein “sinnfreier Raum” mehr sein! Es gehört neben der politischen Arbeit aktiv in derartigen Vereinen mitgewirkt um auf Fehler in den Strategien hinzuweisen und der massiven Verfehlung der eigentlichen Vereins- und NATO-Ziele entgegenzuwirken.
Die Deutsche Atlantische Gesellschaft , aber auch Vereine wie die Atlantik-Brücke e.V. aber besonders die NATO selbst sind bereit für einen Generationswechsel, weniger vom Alter her als von der Denke.
Und ich weiss, dass es in anderen Ländern der NATO-Allianz ebenso Leute gibt, die eine NATO so sehen wollen, wie der erste Artikel des Nato-Vertrags es festschreibt:
Artikel 1
Die Parteien verpflichten sich, in Übereinstimmung mit der Satzung der Vereinten Nationen, jeden internationalen Streitfall, an dem sie beteiligt sind, auf friedlichem Wege so zu regeln, dass der internationale Friede, die Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden, und sich in ihren internationalen Beziehungen jeder Gewaltandrohung oder Gewaltanwendung zu enthalten, die mit den Zielen der Vereinten Nationen nicht vereinbar sind.
Ziel ist es, um weiteren Schaden vom einst hochgeschätztem Verteidigungsbündnis abzuwenden, hier wieder auf die Grundsätze Frieden, Sicherheit und Stabilität auf der Grundlage von Freiheit, Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit hinzuwirken.
Ich würde fast verlangen wollen, dass besonders eine Piratenpartei bzw. derart geneigte Mitglieder sich aktiv auf breiter Front in den etablierten sicherheits- und außenpolitischen Systemen/Gesellschaften/Gremien tummeln.
Also wer hier mit unterstützen will, der Mitgliedsbeitrag kostet bspw. im Jahr 20 € . Zu den 36€ für die Piratenpartei durchaus ein wertiger Betrag wenn wir schon das Thema Zukunft behandeln. Denn die Sicherheitspolitik/Außenpolitik hat die Macht, uns Dinge aufzuerlegen, die mit einer Zensursula-Debatte locker mithalten können. Sieht man sich das Thema Wikileaks an, so macht Zensur sogar noch einen tieferen Sinn, der sogar von der Außenpolitik stammen !könnte!.
Dementsprechend habe ich mir erlaubt im Liquid-Feedback System der Piratenpartei eine Beschlussvorlage zu dem Thema NATO zu eröffnen, mal sehen ob man unsere sicherheitspolitische Zukunft nicht auch “piratig” gestalten kann…
Mittwoch, August 11th, 2010
at 12:40am
Der erste Bundesparteitag 2010 der Piratenpartei in Bingen war bereits im Mai. 80% – vielleicht auch Du – der stimmberechtigten Piraten waren und sind für den bundesweiten Start von Liquidfeedback.
Liquidfeedback ist ein freiwilliges und zugegebenermaßen sehr transparentes Tool um die politische Willensbildung zu vereinfachen. Ausführlich behandelt wurde das ganze beim Chaosradio Express in Folge 158.
Sollten wir als Piraten hier eine astreine polit-”technische” Evolution vermasseln bzw. verzögern und ohne Liquidfeedback einen Parteitag 2010.2 in Chemnitz veranstalten, habe ich nicht viel Hoffnung, dass wir mehr als 5 Anträge schaffen. Eine vorher systematisch fair ausgefochtene Position per Liquidfeedback gibt uns wenigstens die “Chance” auf Effektivität.
Wenn wir das riskieren, würden wir die Idee, ja den Gedanken einer Piratenpartei auf Jahre schädigen, da wir in der Bedeutungslosigkeit parteipolitischer Ammenmärchen versinken werden.
Wir haben als basisdemokratische Partei – das wir TOITOITOI immer noch durchhalten – das erste mal seit der Idee einer attischen Demokratie hier eine Neuerung, die mit technischer UNTERSTÜTZUNG jedem Bürger politische Macht direkt an die Hand gibt! Dafür sind wir Piraten meines Erachtens da!
Wir legen mit Liquidfeedback einen Grundstein für Politik im 21. Jahrhundert. Jeder Pirat/Bürger kann sich entscheiden ob er punktuell volle Gestaltungsgewalt haben will, oder einmal im Jahr seine Stimme delegieren will. Selbst das wären vier- bis fünfmal mehr Beteiligungsmöglichkeiten als bei den standard-Persilscheinen für unsere derzeitigen etablierten Politiker per vier- oder fünfjährigen Legislaturperioden.
LQFB mag nicht perfekt sein, aber die Chancen überflügeln die Nachteile um Welten.
Auch ich bitte inständig darum diese beiden Anträge ( 1 + 2 ) an den Bundesvorstand zu unterstützen! Solltest du noch kein Pirat sein, dann schau dir mal die Alternativen in der politischen Welt da draussen und deinen Wirkungsgrad an. Wenn du Vertreter einer anderen Partei bist: LIQUIDFEEDBACK IST PARTEILOS UND KOPIERFREUDIG!
Samstag, Juli 24th, 2010
at 1:40am
Der Artikel dient der persönlichen Wissenserweiterung über Strukturen/Fundamente in der NATO. Er skizziert die Ziele der “Atlantischen Gesellschaft” , im besonderen die der Jugendorganisation YATA und ihres deutschen Ablegers. Angesichts der aktuellen kriegerischen Aktivitäten der Bundesrepublik Deutschland in Afghanistan und der absehbaren zukünftigen Auseinandersetzungen erachte ich es – als aktives Mitglied der Piratenpartei – für immanent wichtig eine Verortung dieser Konstrukte vorzunehmen. Anstatt seit vielen Monaten über wirtschaftliche Beweggründe zu Afghanistan den Kopf zu schütteln, sollte man einfach mal aktiv versuchen an den Wurzeln dieser Überlegungen zu arbeiten. Vielleicht hat ja der ein oder andere Leser ebenso Interesse an dem Thema und/oder hilfreiche Hinweise, ich würde mich freuen.
.

Als kleiner Einstieg, die vier in einem Gründungsworkshop der YATA Germany festgelegten Ziele mit Kommentierung:
Erstens wollen wir mithelfen, die transatlantischen Interessen zu definieren und den
politischen Willensbildungsprozess in der Bevölkerung und unter Entscheidungsträgern zu
fördern. An erster Stelle stehe n dabei naturgemäß sicherheitspolitische Fragestellungen, aber
wir wollen uns auch der Auseinandersetzung mit kulturellen, ökonomischen und
gesellschaftlichen Themen widmen. Der atlantischen Allianz fühlen wir uns hierbei stets
verpflichtet.
Die transatlantischen Interessen wurden erfolgreich bei Entscheidungsträgern der Politik, eventuell auch deren der Wirtschaft, zweifelsohne durchgesetzt. Bei der Bevölkerung sieht es selbst bei der Bild-Zeitungsumfrage mit 67% gegen einen NATO-Feldzug in Afghanistan eher mau aus. Die Bildung einer – bereits vorherrschenden – Deutungsmacht erachte ich persönlich als Gefahr, weil Verblendung vorprogrammiert ist.
Zweitens wollen wir die bündnisinterne Verständigung und Kooperation stärken. Wir werden
ein Forum für den offenen Austausch von Positionen, Meinungen und Interessen bieten, das
der Kommunikation und dem Ausgleich zwischen den Mitgliedstaaten dient. Nur wenn die
Bündnispartner einander aufgeschlossen und zum Miteinander bereit sind, kann die Allianz
bestehen.
Das zweite Ziel erscheint legitim, aber ich frage mich ob bei diesem “offenem Austausch” auch mal jemand ein NEIN zu gewissen Aktionen des Bündisses fallen lässt, hier sehe ich Verbesserungsbedarf in hohem Maße. Das sollte unter Partnern möglich sein, denn sonst ist es ein zwanghaftes Bündnis. Meinungsaustausch an sich ist immer eine tolle Sache, ich bin gespannt.
Drittens wollen wir den „transatlantischen Nachwuchs“ für die internationale Politik im
Allgemeinen und die NATO im Besonderen begeistern und an die internationa len politischen
Prozesse heranführen. Eine systematische und institutionalisierte Nachwuchsförderung ist
erforderlich, um der drohenden Verknöcherung der transatlantischen Institutionen
vorzubeugen. Die Bewältigung der neuen Herausforderungen bedarf nicht nur der Erfahrung
und der Expertise verdienter Atlantiker, sondern auch der Ideen und der Inspiration junger
Köpfe.
Nachwuchsförderung ist im Sinne jeder Gemeinschaft ein “must”. Die “systemische und institutionalisierte Nachwuchsförderung” interessiert mich aber im Detail, wie so etwas denn aussehen soll, wer hier dann wie exakt gefördert wird.
Viertens wollen wir über die Bedeutung der atlantischen Allianz als politisches und
militärisches Bündnis, das auf einer festen Tradition gemeinsamer Werte und philosophischer
Überzeugungen beruht, informieren. Diese Erklärungs- und Aufklärungsarbeit ist dringend
geboten, um das Bündnis nach innen wie nach außen zu stärken und die breite populäre
Unterstützung, welche die NATO zumeist genoss, auch in Zukunft zu ermöglichen.
Ein politisches und besonders militärisches Bündnis, dass auf Traditionen, gemeinsamen Werten und philosophischen Überzeugungen beruht – wäre die NATO noch, wenn es ein reines Verteidigungsbündnis wäre. Diese Rückbesinnung auf ehemalige Stärken wäre eine zutiefst philosophische und erstebenswerte Entwicklung. Ein Verteidungsfall, sollte – auch wenn es Juristen für Afghanistan anders drehen konnten – wirklich der Verteidigung dienen und zwar nicht dem köhler´schen “wirtschaftlichem Verteidigungsfall” sondern einem tatsächlichem…
Zum Thema “Erklärungs- und Aufklärungsarbeit” kann ich nur die Hoffnung vermelden, dass es keinerlei Kontakte zu vergleichbaren Meinungsbildungsversuchen der Amerikanischen CIA gibt, dass hat bereits viel Vertrauen gekostet und würde die NATO nachhaltig schädigen.
Das Positionspapier endet mit dem Hinweis:
Nach dem Vorbild der DAG (Anm.: Deutsche Atlantische Gesellschaft) soll darüber hinaus unsere dezentrale und offene Struktur als
Einladung an alle jungen Atlantiker verstanden werden, sich bei uns mit eigenen Ideen und
Initiativen zu engagieren.
Ich bin zwar eher Weltenbürger als Atlanticist, aber warum soll man immer nur schimpfen und nichts tun???
Hiermit ergeht nun offiziell der Mitgliedsantrag an die Deutsche Atlantische Gesellschaft und ihrer Jugendorganisation YATA-Germany. Eine überparteiliche Institution freut sich doch bestimmt auf einen respektierlichen jungen Piraten, der die Sicherheitslage der Erde positiv beeinflussen will, oder?
Sonntag, Juli 11th, 2010
at 1:22pm
Gestern meldete die lokale Tageszeitung, das Reinhard Brandl (CSU) – Nachfolger Horst Seehofers im Bundestag – der Veranstaltung “Jugend trifft Politik” fernbleibt, WEIL:
Die Linke auch kommt
Zu recht ergeben sich hier grundsätzliche Fragen, wie von einem Christian Höbusch von den Grünen Ingolstadt, welche Art von Demokratieverständnis er hier Jugendlichen vermitteln will. Er nennt es einfach nur #FAIL und da kann man ihm nur zustimmen.
Ein Fernbleiben bedeutet eine Themaverfehlung ersten Ranges.
Diese Art der politischen Gehirnschere, also die Ausblendung anderer Meinungen und Strömungen, ist sehr verbreitet. Man muss eine Meinung nicht teilen – man sollte sie aber nie vollständig ausblenden, dass macht blind und ist gefährlich.
Bei derartigen Verhaltensweisen würde man schnell abdriften und einen politischen “Code Red” befürworten. Nur das hier nicht harte Gegenstände in ein Handtuch zum schlagen gewickelt werden, sondern verlorene Wählerstimmen der Jugend, die eine CSU nie mehr sehen wird…
Brandl´s Aussage : “Ich bin ein frei gewählter Abgeordneter! Ich kann machen, was ich will.” kann man so stehen lassen. Wenn er sich nicht um einen Ersatz für sich auf der Veranstaltung sorgt, kann er machen was er will und besonders wo er will.
Uns Piraten ( und den anderen Parteien) soll das nur Recht sein – auf Kosten der Demokratie an sich läuft es jetzt schon.

Mittwoch, Juni 16th, 2010
at 12:01am
Heute Abend hatte ich eine nette Unterhaltung mit einem Gast an unserem piratig-politischen Stammtisch. Diskutiert wurde tiefgründig die Ursache, warum Politiker derart oft brachialsten Schwachsinn in die Öffentlichkeit tragen.
Beispiele:
Die ganze pseudo-bürgerrechtsengagierte Hysterie von Pseudo-Computerexperten, man müsse um jeden Preis ein “unzensiertes Internet” verteidigen etc. – vgl. www.ccc.de -, fällt für mich in die Kategorie: juristisch ohne Sinn und Verstand und moralisch verkommen.
Hans Peter Uhl, CSU
„Wir können es doch als Gesellschaft nicht hinnehmen, das – so wie es die Piratenpartei fordert- Jugendliche und Erwachsene ungehindert Zugang zu Kinderpornos im Internet haben können
Sascha Raabe, SPD
Auf die Frage, ob er selbst in diesem Gefecht geschossen und einen Menschen getötet hat, antwortet er – ich zitiere -: Ich habe ihn erschossen. Er oder ich, darum ging es in diesem Fall.
Angela Merkel, CDU
Vielmehr muss die EU lernen, ihre Interessen auf den Schauplätzen der Welt zu definieren und durchzusetzen. Dabei darf durchaus gelten: Von China lernen heißt siegen lernen.
Friedbert Pflüger, CDU
Diese vier hochrangigen Politiker sind nun also die Elite unseres Landes? Diese Leute dürfen entscheiden wie wir hier zu leben haben, betreiben Agendasetting in den Medien, sprechen offen diese haarsträubenden Thesen aus?
Meine Theorie war bis heute Abend das diese Aussagen auf indoktrinierten Gedankengängen basieren, sprich einer Verblendung aus abgeschotteten sozialen Räumen. Das würde die Penetranz und ewige Wiederholung erklären, da hinter den Aussagen tatsächliche lobbyrale Interessen stehen.
Leider bekam ich heute eine andere Möglichkeit präsentiert:
Die Politiker glauben tatsächlich das was sie da von sich geben und sind geistig / moralisch / ethisch nicht (mehr) in der Lage ihre Wortverbrechen in einer Reflektionsphase eigenständig zu revidieren. Aufgrund der durchgängig vorhandenen höheren Bildung, dürfte eine nach innen gerichtete Betrachtung aus humanistischer Sicht doch das Mindeste sein, was man von Personen mit politischem Einfluss erwarten kann. Aber an so Beispielen sieht man mal wie bereits in den älteren Semestern mit langfristigen Folgeschäden am Thema Bildung gespart wurde…
(Ausnahmen bestätigen die Regel und in 20 Jahren wissen wir mehr)
Freitag, Juni 4th, 2010
at 1:14am
Am Mittwoch den 16. Juni 2010 findet eine Veranstaltung zum Thema Bildung organisiert von der SPD Ingolstadt im Gewerkschaftshaus statt.
Angelehnt an die Route20 und dem “Vorsprung durch Technik” Slogan der AUDI AG zielt das Veranstaltungsthema unter anderem in die Richtung: “Wie kann Ingolstadt zu einem führenden Bildungsstandort in Bayern werden?”
Leider ist die einzige Präsenz der Veranstaltung im web mit Stand heute nur über Facebook existent.
Die Intention&Brisanz des Themas ist es durchaus wert, hier ein paar bildungspolitische Ansichten der Piratenpartei zu platzieren:
Bildung in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft
Jeder Mensch hat das Recht auf freien Zugang zu Information und Bildung. Dies ist in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft essentiell, um jedem Menschen, unabhängig von seiner sozialen Herkunft, ein größtmögliches Maß an gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. Mit diesem Ziel ist das Hauptanliegen institutioneller Bildung die Unterstützung bei der Entwicklung zur mündigen, kritischen und sozialen Person.
Der freie Zugang zu Information und Bildung ist jedoch nicht nur im Hinblick auf die gesellschaftliche Entwicklung notwendig, sondern auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung unserer Gesellschaft. Bildung ist eine der wichtigsten Ressourcen der deutschen Volkswirtschaft, da nur durch den Erhalt, die Weitergabe und die Vermehrung von Wissen Fortschritt und gesellschaftlicher Wohlstand auf Dauer gesichert werden können.
Investitionen in Bildung sind Investitionen in die Zukunft.
Die öffentliche Bildungsinfrastruktur
Der freie Zugang zu Bildungseinrichtungen ist im Interesse aller. Deshalb ist es Aufgabe der gesamten Gesellschaft, in Form des Staates, eine leistungsfähige und ihrem Zwecke angemessene Bildungsinfrastruktur zu finanzieren und frei zur Verfügung zu stellen. Private Finanzierung öffentlicher Bildungseinrichtungen ist grundsätzlich zu begrüßen, solange sie keinen Einfluss auf die bestehenden Lehrinhalte hat.
Bildungsgebühren jeglicher Art schränken den Zugang zu Bildung ein und sind deshalb kategorisch abzulehnen. Aus diesem Grund ist auch die Lehrmittelfreiheit zu befürworten. Diese ist am besten dadurch herzustellen, dass die Verwendung und das Schaffen von freien Werken zur Vermittlung von Wissen unterstützt und ausgebaut wird. Diese freien Werke sind nicht nur kostenfrei im Unterricht einsetzbar, sondern ermöglichen dazu dem Lehrenden ohne rechtliche Hürden die Lernmittel auf seinen Unterricht anzupassen.
Trotz des staatlichen Bildungsauftrages soll die Erziehung in Bildungseinrichtungen die Erziehung durch die Eltern nicht ersetzen. Zur umfassenden Bildung gehört, dass sich beide Formen der Erziehung gegenseitig ergänzen und fördern.
Bildung als individueller Prozess
Jeder Mensch ist ein Individuum mit persönlichen Neigungen, Stärken und Schwächen. Institutionelle Bildung soll daher den Einzelnen unterstützen seine Begabungen zu entfalten, Schwächen abzubauen und neue Interessen und Fähigkeiten zu entdecken. Neben starren Lehr- und Stundenplänen, werden vor allem einige Formen der Leistungsbewertung diesen Forderungen nicht gerecht. Insbesondere die Bewertung von Verhalten nach einem vorgegebenen Normenraster z.B. bei den sogenannten Kopfnoten lehnen wir ab.
Die Bildungsinhalte haben auf fundierten und belegbaren Erkenntnissen zu basieren und müssen von einem möglichst neutralen Standpunkt aus vermittelt werden. Dies beinhaltet vor allem eine sachliche Darstellung, die Ausgewogenheit der Standpunkte und eine kritische Quellenbewertung.
Demokratisierung der Bildungseinrichtungen
Die Bildungseinrichtungen sind für die dortigen Schüler und Studenten ein prägender und umfassender Bestandteil ihres Lebens. Sie sind deswegen als Lebensraum der Lernenden zu begreifen, dessen Gestaltung und Nutzung ihnen stets offen stehen muss. Eine demokratische Organisation der Bildungseinrichtungen soll den Lernenden, genau wie den anderen Interessengruppen der Bildungseinrichtungen, eine angemessene Einflussnahme ermöglichen. Auf diese Weise werden demokratische Werte vermittelt und vorgelebt, die Akzeptanz der Entscheidungen erhöht, sowie das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Bildungseinrichtungen gestärkt.
Hier nun noch der Einladungstext, damit man ihn auch ohne facebook einsehen kann:
| Datum: |
Mittwoch, 16. Juni 2010
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| Zeit: |
19:30 – 22:00
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| Ort: |
Gewerkschaftshaus Ingolstadt
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Kürzungen im Bildungsbereich drohen!
Immer noch viel zu grosse Klassen!
Mittelschule-nur ein neues Etikett für die Hauptschule
Schlagzeilen, die uns beunruhigen müssen
Die gesellschaftlichen Veränderungen und die demographische Entwicklung machen Bildungspolitik zu einem Kernthem.
Was kann und muss Schule im 21. Jahrhundert leisten?
Worauf kommt es an?
Wie können und müssen wir die Qualität steigern?
Wie kann Ingolstadt zu einem führenden Bildungsstandort in Bayern werden?
Wir suchen nach Antworten. Dazu haben wir Experten eingeladen-
Diskutieren Sie mit!
Martin Güll MdL (Mitglied im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags)
Dr. Ernst Rösner (Experte für Schulentwicklung an der Universität Dortmund)
Dr. Werner Widuckel (Mitglied des Vorstandes AUDI AG)
Die Moderation hat Stadträtin Gurdun Rihl
Freitag, Mai 28th, 2010
at 3:10am
Automatisierungen, die durch das Internet möglich wurden, machen in der Nachrichten- und Medienwelt nicht nur Verlagen zu schaffen. Den meisten Schaden diesbezüglich bekommen die Leser ab.
13 Stunden und 13 Minuten vor dem Urteilsspruch zum Fall Tauss jagt die Deutsche Presse Agentur eine Kurzmeldung zum Thema über den Äther. Diese wird sodann ohne jegliche Kontrolle etwaiger Qualitätsjournalisten oder Korrektoren in das Internet geblasen. Positiver Nebenaspekt einer derart kurzen Agenturmeldung um diese Uhrzeit, im Zeitungsjargon auch einen “Einspalter” genannt: Das wandert angesichts der weit verbreiteten Schlussredaktion vieler Zeitungen bis 23 Uhr mit großer Sicherheit bundesweit an prominente Stellen der Printausgaben.
Nachdem sich nicht nur die DPA, sondern auch renommierte Medientitanen wie der Spiegel wahrlich nicht mit Ruhm bezüglich der “qualitativen” Berichterstattung bekleckerten, erscheint folgende Analyse nun als der reinste Hohn:
Für Techies oder Medienmenschen ist das nachfolgende wie Peter Lustich ohne lustig, aber ich erkläre das was da abläuft mal mit einfachsten Beschreibungen:
Die DPA verschickt über ihre Kanäle folgende Meldung die von dutzenden Medienunternehmen automatisch kopiert und getickert wird:

Da man ja als Leser/Besucher viele Klicks auf den Seiten machen soll, befindet sich unterhalb der dpa-Meldung ein Link der augenscheinlich verspricht tiefer in das Geschehen einsteigen zu können.
Klickt man darauf landet man auf einer einfachen Suchseite von Zeit online, die Artikel zu den Themen “Kriminalität” und “Tauss” Seitenintern darstellt.

Und wie sollte es anders sein, hier erscheint nur ein Artikel unter “Rezessionen” , nämlich ein uralter Schinken aus letztem Jahr, der auf die Piratenpartei verlinkt.
In dem Artikel selbst, geht es um einen etwas abwertend geschriebenen Bericht vom Bundesparteitag 2009 als die Piraten nur 3000 Mitglieder hatten.
Was aber war passiert, das eine Massennachricht unter den Rubriken “Kriminalität” und “Tauss” einzig auf die Piratenpartei verweist?
Ganz einfach:
Die dpa ergänzt diese Tickermeldungen mit “Keywords“, ähnlich wie Internetseiten. Diese werden vom Redaktions-(CMS-)System von Zeit.de gelesen, interpretiert und unter die Tickermeldung als klickbarer Link(erstes Bild das Wort “hier“) ausgegeben. Im Quelltext der Internetseite sieht so etwas dann so aus:


klicken für größere Darstellung
Die Krux an dieser kleinen Randnotiz der Geschichte um die Causa Tauss ist es, dass eine Medien-industrie/maschine sich nicht mehr dem Pressekodex verpflichtet fühlt sondern negativ einen neutralen Meinungsbildungsprozess torpediert.
Nicht nur von der Staatsanwaltschaft wurde Meinungsmache betrieben, sondern auch von Politikern auf die dann anscheinend extrem schlecht ausgebildete “Journalisten” hereinfallen.
Die Folgen waren und sind zum Beispiel die Verrückung von unschuldigen Menschen in die Nähe von Kinderporno-Befürwortern, wie mir selbst bereits geschehen.
Einer der wichtigsten Grundlagen für einen Rechtsstaat ist die “Unschuldsvermutung” bis zum Urteil durch ein Gericht.
Nicht nur Tauss gehört vor ein Gericht um zu klären ob er als Abgeordneter hier falsch gehandelt hat, Nein! Viele andere Verantwortliche in dieser feinen Gesellschaft gehören vor den Kadi! Aber dazu fehlen einigen meinungsbildenden Menschen hier in diesem Land einfach nur Ehre, Anstand und Geist!
Und egal welcher Marktschreier auch immer auf die Piratenpartei einprügelt wegen dem Fall Jörg Tauss – für das Bewahren der Unschuldsvermutung wird ihr in Zukunft noch mehr Respekt abverlangt werden, als sich diese ganzen realen Staats- und Verfassungsfeinde jemals selbst zuschreiben und “keyworden” können!
Die Hoffnung stirbt zuletzt und vielleicht ist es die, dass sich die Institutionen irgendwann in einer utopischen Zukunft wieder darauf besinnen wofür es sie gibt…
