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Twitterbeiträge diese Woche 2012-05-13

9 Q&A’s über den facebook Auftritt der #piraten für eine Masterarbeit

Nachfolgend eine absichtlich sehr direkte und schnelle Beantwortung von 9 Fragen zum Facebook Auftritt der Piratenpartei für eine Masterarbeit. Ob es das ist, was sich der Student erhofft hatte weiß man nicht :p

1. Wie viele Personen sind bei Ihnen in der Fraktion für den Facebook-Account verantwortlich? Und
welche Tätigkeiten betreuen diese sonst noch?

-> Fraktion gibt es nicht im Bund, noch nicht :)
Aktuell wird der Facebook Account nur von mir betreut. 2 weitere Admins stehen als Ersatz und Clearingstelle bereit sollte es Probleme (Ziegelsteinfrage) geben. Neben meinem normalen Vollzeitjob ist die Betreuung der Seite eins meiner Hobbies quasi. Eine Kosten- und Nutzenkalkulation würde die Piratenpartei wohl locker gewinnen…

2. Vor allem in den vergangenen Monaten stieg die Follower-Zahl bei Facebook deutlich an. Wie
veränderte dies die Nutzung und damit auch den parteiinternen Umgang mit dem Auftritt der Fraktion
bei Facebook?

-> Bisher gibt es in keinster Weise Veränderungen. Sowohl die Frequenz als auch die Art der Ansprache ist gleich zu dem Zeitpunkt als es “nur” 10k Fans waren. Einzig der verbreitete Content ändert sich aufgrund der Medienpräsenz, da mehr content in den Medien erzeugt wird.

3. Wer genau ist eigentlich Ihre Zielgruppe bei Facebook? Und wird diese thematisch in spezieller
Weise berücksichtigt bzw. angesprochen?

-> Die Zielgruppe bei Facebook ist ebenso wie die Piratenpartei weit gestreut – einzig die 60+ Gruppe ist sehr unterrepräsentiert (was nicht überrascht). Es gibt natürlich Beiträge, wie Memes, lolcats und eindeutigen gamerslang sowie Internetsprache bemühen. Ansonsten wird quer durch die Geschlechter,  Altersgruppen, Lokationen und Einstellungen gepostet.

4. Persönliche Backstage-Bilder von Politikern, Videointerviews zu aktuellen Themen oder kleine
Sticheleien gegen die Konkurrenz – fallen die Aktivitäten in sozialen Netzwerken nicht eher unter den
Begriff des Politik-Marketings?

-> Politik-Marketing ist ein netteres Wort für das Propaganda-Instrument Facebook. Social Media Berater sind sehr schnell dabei es als strategisches Mittel für eine (Marketing-)Kampagne anzusetzen, vergessen aber oft, dass so etwas nur hebt wenn Authentizität vermittelt wird. Bezahlt aufgesetzte und von namenlosen Ghostwritern betriebene Seiten geben auf der Gefühlsebene zu wenig um langfristig erfolgreich funktionieren zu können. Ausnahmen sind Großfirmen und Alltagsthemen, nicht aber in der Politik. Die CSU hat bspw. einen wunderschönen Facebook-Auftritt – eine lebende Community aber nicht trotz der größten politischen Jugendorganisation der Republik – warum wohl? :)

5. Geht es wirklich um die Möglichkeit der direkten Interaktion mit den Bürgern, oder ist Facebook
letztlich nicht doch einfach nur ein zusätzlicher Kanal, auf dem parteiinterne Nachrichten verbreitet
werden?

->Sowohl als auch. Hier bei den Piraten wird auf Fragen in der Regel geantwortet und diskutiert, entweder durch andere User die helfen oder eben durch mich wenn es zeitlich ausgeht. Das klappt aufgrund der hohen Affinität der Nutzer recht gut. Natürlich dient es auch als reines Reichweiten-Instrument für die Partei.

6. Wie groß ist eigentlich die Reichweite in sozialen Netzwerken? Erreichen Sie nicht doch nur
Menschen, die der Partei sowieso schon nach stehen? Denn der “gefällt mir”-Button sorgt ja doch auch
für eine gewisse Hemmschwelle.

-> Die Piratenpartei hat aktuell eine Reichweite von knapp einer halben Million User im Monat die einen Beitrag der Piraten in Facebook sehen. Der erfolgreichste Beitrag seit Bestehen der fanpage war ein Comic (!) mit 130.000 erreichten Facebook-Nutzern in einer Woche. Wenn Details zu den Statistiken benötigt werden, gerne hier ( http://boomel.lhwclan.de/?p=1520 ) vorbeischauen. Transparenz ist ja bei Piraten nicht nur ein Werbeslogan :)
Wenn aktuellere Statistiken benötigt werden, gerne nochmal melden.

7. Wie genau muss man sich als Außenstehender die Auswahl der Posts bei Facebook vorstellen? Gibt
es dafür eine Art Abstimmung mit der Fraktionsspitze, was genau veröffentlicht werden darf und soll?

-> Nein das wurde durch die fans der Seite im Sommer 2011 in einer Umfrage festgelegt. Gewinner waren: 1. offizielle Parteinachrichten (PM’s, Events, etc.) 2. Durch das Parteiprogramm abgedeckte Themen 3. random-Nachrichten mit Piratenbezug (boulevard für piraten quasi).
Ansonsten ist die Auswahl der Beiträge in keinster Weise durch ein Gremium der Partei reglementiert – das würde schlicht nicht funktionieren. Es gibt eine Idee für die Steuerung der fanpage durch die fans bzw. piraten selbst, dies steht aber erst 2013 zur Bundestagswahl zur Debatte. Kein einziger Bundesvorstand seit 2009 hat Inhalte befohlen, bestimmt oder mit Druck platzieren wollen. Es herrscht positive Zusammenarbeit die der Piratenbewegung nutzt, sonst nichts. Einen genaueren Einblick gibt dieser Podcast : http://piraten-hdh.de/images/stories/audio/Facebook.ogg

8. Wie häufig fällt bei Ihnen der Blick auf die Facebookseiten der anderen Parteien? Gilt dabei die
Piratenpartei als eine Art Vorbild? Oder versuchen Sie sich durch eine bestimmte Strategie vielleicht
sogar bewusst von dieser abzugrenzen?

 

-> Aufgrund der Arbeitslast findet keine aktive Konkurrenzbeobachtung statt.
Ich vermute mal das es durchaus Beobachter aus den Reihen der politischen Konkurrenz gibt, ob sie es als Vorbild ansehen (können/wollen) kann ich nicht beantworten. Es ist mir auch schlichtweg egal :) .
Durch eine Strategie abzugrenzen scheitert. Begründung: Das ist das Internet. Eine strategische eingesetzte Qualität klingt gut, ist aber realitätsfremd. Es geht darum Spinner auszuhalten ohne in die Reflexe eines Blockwarts zu verfallen. Es geht um ein neutrales Gefäß das gepflegt gehört damit Menschen es inhaltlich befüllen um mal Bildvergleiche zu ziehen.

Diese Art des parteipolitischen “Vulkanreitens” auf einer Kommunikationsschnittstelle würde niemand in einem hierarchischen Konstrukt überleben können. Sowohl die eigene Schere im Kopf als auch die garantierten Interventionen von Vorgesetzten bei zu pragmatischer Nutzung verhindern vermutlich eine losgelöste Administration der anderen Parteien. Das ist übrigens eine Vermutung, die ich so hege. Sollten dort bei Ihnen andere Erkenntnisse vorliegen würde ich mich über Infos sehr freuen :)

9. Ein Blick in die Zukunft: Wie sehr schätzen Sie die Einflussmöglichkeiten von sozialen Netzwerken
wie Facebook für den Bundestagswahlkampf 2013 ein?

 
-> Da bin ich befangen, denn soziale Netzwerke haben die Piratenpartei erst entstehen lassen :)
Die Bundestagswahl 2013 wird stärker im Internet entschieden als die meisten glauben. Die Entwicklung der Nutzung erinnert an den Exodus der Immobilienanzeigen aus den Print-Produkten in das Netz. Innerhalb von ca. 5 Jahren 2005 bis 2010 stiegen ca. 80% aller Makler auf online als Ergänzung um. Inwiefern sich der Account der Piratenpartei entwickelt, kann ich in keinster Weise abschätzen. Von 2011 auf 2012 waren es gut 6000 auf 65000 User. Gerade im Moment setzt der nächste Hype mit SH und NRW ein mit gut über 1000 neuen fans pro Tag.
Es bleibt spannend sozusagen.

 

 

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